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Liebe Lesende,
Wir schreiben den Monat September. Das Wetter verwirrt unsere Gemüter
mit Unbeständigkeit ohnegleichen, lässt erstmals erinnern, was dieser
sog. Herbst nochmal war. Die Sonne allgemein etwas goldener, die
Regentage allgemein einen Tick düsterer. Erstmals wieder eingekuschelte,
eng zusammengeraffte Ansammlungen in den Küchen dieser Stockwerke.
Im Dampf des Tees reiten unsere Gedanken zurück in die letzten
Monate:
Handwerkungen
Unser Haus hat kleinere und größere Schliffe und Upgrades
erhalten.
Auch wir sind in den letzten Monaten die Modernisierungsleiter der
Haushaltsgeräte eine Sprosse weiter emporgeklettert. Wo lange Zeit das
akribische Tellerwaschen zum routinierten Alltagsleben der Küche im EG
gehörte, kann sich diese nun auch zu den stolzen Besitzenden einer
vollautomatischen Spülmaschine zählen.
Was nun endlich auch wieder in neuem Glanz strahlen darf, allerdings
noch durch eigene Handarbeit betrieben, sind die Menschen des
Erdgeschosses selbst. Nachdem unsere Dusche eines unbedeutenden Tages
etwas überambitioniert die Couch im Keller mitduschen wollte, standen
wir doch einer größeren Herausforderung entgegen. Was anfangs in
Eigeninitiative begonnen wurde, fand nun vor einiger Zeit seine
professionelle Fertigstellung durch handwerkende Hände und glänzt nun
wieder Badreiniger-Werbungs-gleich.
Kulturelle Events
Alles wie gehabt es sich bei der routinierten Organisation kultureller
Veranstaltungen und Zusammenkünfte. Besuch erhielten wir beispielsweise
von befreundeten Menschen aus Duisburg die mit Rap und Hiphopbeats den
betonierten Boden des Kellers vibrierten ließen. Außerdem zelebrierten
wir das 4 jährige Freiaujubiläum ausgiebig mit Flohmarkt, Küfa (Küche
für Alle) und anschließendem Barvergnügen.
Aber nicht nur Beats sollen unseren Keller füllen. Wir haben ein Scheiß-Erlebnis einer befreundeten Person zum Anlass genommen, in einer Austauschrunde über sexuelle Übergriffigkeit in den “eignen Reihen” - der linken Szene - zu sprechen. Nach gemeinsamem Grillen und einander vertraut machen haben wir den Raum geöffnet, eigene Erfahrungen, Emotionen, Gefühle, Gedanken und mögliche Umgangsformen miteinander zu teilen. Die Runde war groß und umso schöner war es, dass Barrieren aus Scharm und Schüchternheit angetastet werden und reger Austausch zustande kommen konnte über ein Thema, welches durch Stillschweigen nicht seine Präsenz verliert.
Eigenes Obst & Gemüse
Äpfel unseres Baumes fielen dieses Jahr wie Sterne vom Himmel. Das
Betreten des Gartens ohne Helm verlief auf eigene Gefahr. Apfelmus und
Applecrumble konnte fließen wie Milch und Honig. Und auch ansonsten
wurde dieses Jahr am gärtnerischen Geschick getüftelt wie lange nicht
mehr. Die Tomaten wucherten über sich selbst hinaus, warfen rote Früchte
ab, als gäb’s kein Morgen mehr. Zucchini, Bohnen und Kapuzinerkresse,
Rhabarber und Paprika freuten sich der Symphonie des
Wachsen-und-Gedeihens.
Ansonsten:
Noch zu erwähnen: Elias und Luka schwärmen für ein halbes Jahr aus. Sie
nutzen beide die Möglichkeit des Erasmus, Elias in Ljubljana und Luka in
Istanbul. Bewohnt werden die Zimmer in der Zeit von Tobi und Macel.
Herzlich willkommen! So, genug der Rekapitulationen. Tee kalt, dampf weg
und das wars erstmal mit dem kleinen Update von uns.
Bei Fragen oder Anregungen meldet euch gern!
Liebe Grüße und eine schöne Herbstzeit euch!
Eure Freiau99 :-)
Liebe Lesende,
Es ist ein neues Jahr. Dieses ist mittlerweile zwar schon etwas
länger, jedoch blieb ein angemessener Umgang mit der Jahreswende bisher
aus. Jedoch eignet sich auch für uns, wie für die ganzen Podcasts,
Zeitschriften und sonstigen Kanäle, dieser Anlass fantastisch als
reflexives Instrumentarium für eine nostalgisch ausschweifende
Rekapitulation. Hier ein kleines transparentes Update und Rückblick aus
dem Alltagsgeschehen der Freiau99 im noch fast frischen, jetzt schon
viel zu bewegenden Jahr 2024. Lehnt euch zurück, legt die Füße hoch und
rutscht euch in gemütliche Pose zurecht.
Das Leben hier im Haus manchmal emsig, gleich einem Bienenstock, jede:R
die Füße in der eignen Alltagssuppe, aber dennoch verbunden durch
gemeinsame Ziele und Projekte im Haus. Mal in kleineren Gruppen mal als
Ganzes. In dynamischer Weise werden so im Haus vielerlei kurz- oder
längerfristige Projekte realisiert, ploppen hier und mal da auf, dass
man selbst den Überblick über das große Ganze verlieren kann und
überrascht hineinschlittert. Im Folgenden werden nun mal ein paar
umrissen:
Weihnachtsessen
Bei den fröhlich steigenden Temperaturen draußen kaum noch vorstellbar,
allerdings hat es auch in unseren Küchen mal nach Rotkohl mit Nelken,
Knödel und Pilzrahmsauce geduftet. In Töpfen von gigantischem Ausmaß
schmorten Leckereien vor sich hin, als hätten sie sich zum Vorbild das
Märchen des süßen Breis der Gebrüder Grimm genommen. In einer großen
Runde zelebrierten wir gemeinsam zwar wohl eher, dass wir gemeinsam
waren, als die Geburt Jesu, nahmen die Weihnachtszeit jedoch trotzdem
dafür zum Anlass.
Elektrifizierung des Kellers
Dieses Projekt hat gleich zwei Vorzüge der Systematik des
Mietshäussyndikats aufgedeckt: 1.: Wer selbstverwaltet, kann viel
lernen. Das checken wir immer wieder. Und 2.: Ein breites Netzwerk kann
sich gegenseitig stützen und nähren. Besonders deutlich hat sich das im
Jahr 2023 an dem Einsteiger:Innen Workshop in Sachen Elektronik und
Steckdosenkunde gezeigt. Gemeinsam mit Fachkundigen eines befreunden
Hausprojekts haben wir eigenständig unseren Keller nicht nur mit
packenden tanzkulturellen Veranstaltungen elektrisiert, sondern auch
durch die Verlegung neuer Steckdosen und Lampen.
Ein neues Patenprojekt – Die Fruchtschranne Apropos Vernetzung, wir dürfen mit Freude verkünden, dass wir nun über ein Patenprojekt, die „Fruchtschranne” in Tübingen verfügen, mit welchem wir nun einander untergehakt in eine eng verbundene Zukunft spazieren können.
Kneipenabende und der Solitopf
Neulich mal wieder einen Blick in unsere Vereinssatzung geworfen. Über
mehrere Paragrafen wird hier Aufbau, Organisation und Zweck unseres
Hausvereins Freiau99 e.V. genauer definiert. In §2 Vereinszweck heißt es
hier:
„Zweck des Vereins ist die Förderung von Initiativen zur Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen in Freiburg sowie der politischen Bildung, Kultur, Kommunikation und des nachbarschaftlichen Miteinanders.”
Ganz im diesem Sinne haben wir begonnen, unseren Keller für gemeinsames und nachbarschaftliches Zusammenkommen einmal monatlich im Rahmen von geselligen Kneipenabenden zu öffnen. Diese können thematisch variieren, mit unterschiedlichen Kontexten gefärbt werden, wobei Spenden dabei an Projekte wie beispielsweise den SOLITOPF weitergeleitet werden. Falls ihr Lust habt, bei einem dieser vorbeizuschauen oder mehr über den SOLITOPF wissen wollt, schreibt uns einfach gerne :-)
Kurz zum Solitopf: Der SOLITOPF ist ein Umverteilungsprojekt in Freiburg. Menschen die einfacher an Geld kommen, geben etwas davon an Menschen weiter, für die das sehr viel schwieriger ist, weil sie keine Möglichkeit haben, für Lohn zu arbeiten. Er ist aus dem Rasthauskontext entstanden und unterstützt Menschen mit Fluchterfahrung. Er lebt von einmaligen oder monatlichen Einzahlungen von Einzelpersonen, die zu 100% an die betroffenen Personen ausgeschüttet werden. Das Geld wird zum Beispiel für die Beteiligung an Mietkosten oder Verfahrens- und Gerichtskosten verwendet. Diese und andere Alltagskosten entstehen oftmals durch Kriminalisierung und Illegalisierung von Einwanderung. (Mehr zum Solitopf: https://rdl.de/beitrag/solitopf)
Skatevideoabende
Für die Skateboardszene wurde auch der Keller zur Verfügung gestellt. An
zwei Abenden kam es hier zu einem Mehrgenerationen-Treff bei dem einige
der alten Hasen der Freiburger Skateszene historische Quellen
präsentieren konnten. Das “warten bis Gott kommt” Video aus dem Jahre
2001, das „Deadline” aus dem Jahre 2003 sowie das “FlickFlock” Video mit
Akteuren aus Freiburg und Umgebung, gab der jüngeren Skategeneration
einen Einblick in die Geschehnisse der damaligen Zeit. Im Anschluss gab
es bei dem ein oder anderen Bier die Möglichkeit für „Oldies” und
„Yung-Guns” sich über die damalige und heutige Zeit
auszutauschen.
Binnenverträge
Bereits ein wenig gespoilert, haben wir uns auch erneut mit der
hausinternen Projektausrichtung befasst. Langfristig ausgerichtetes
Zusammenleben will gepflegt werden, wie Rasenpapa Frans unseren Garten.
Gerade in einem Projekt, welches sich nicht auf rein materielles Wohnen
beschränkt, sondern den Raum als Ressource für das Wachsen
gesellschaftlicher Projekte und Initiativen begreift, gilt es, das
Verständnis der Hausmitglieder über die Vorstellung, Ausrichtung und das
Wesen des Projektes immer mal wieder transparent zu machen, genauer zu
definieren, aufeinander abzustimmen und zu überarbeiten. Wer sich über
das Selbstverständnisses des Verbundes im Klaren ist, kann erst die
vereinte Power und damit einhergehenden Kapazitäten voll ausschöpfen.
Wir haben deswegen einen länger angedachten Prozess über die
Ausarbeitung von projektzentrierten Binnenverträgen begonnen, um uns mit
Fragen zu beschäftigen wie: welche Vorstellungen/Erwartungen haben wir
von unserem Projekt, was brauchen wir persönlich von diesem und wo sehen
wir seine gesellschaftliche Rolle?
Infoveranstaltung
Wie es sich auch nicht anders gehört, und vielleicht an der ein oder anderen Stelle dieses Newsletters vielleicht durchgeklungen ist, sind wir überzeugte Fans des Konzeptes des Mietshäuser-Syndikats. Deswegen haben wir es uns in kürzester Vergangenheit herausgenommen, Werbung in eigener Sache im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung zu machen. „Mietshäusersyndikat – was ist das überhaupt?” wurde dabei zentral aufgerollt und anhand von konkreten Projektvorstellungen nähergebracht.
Direktkredite
Nun zu einer etwas seriösen Geschichte und nochmals Werbung in sehr
eigener Sache: Auch die Freiau99 sucht dauerhaft nach neuen
Direktkrediten, um alte Direktkredite problemlos wieder abbezahlen zu
können. Aktuell ist bei uns finanziell noch alles in bester Lage und um
dies weiterhin so beizubehalten, benötigen wir neue Direktkredite.
Leitet diese Info gerne an mögliche Interessenten weiter, diese können
sich dann an “info-freiau99@riseup.net” wenden, um dann von unseren
Liebsten, Magda und Daniel, beraten und informiert zu werden.
Und sonst so?
Außerdem haben wir uns überlegt, den Newsletter als Möglichkeit zu
nutzen, immer mal wieder kleine Einblicke in das Leben einzelner
Hausmitglieder zu geben.
November letzten Jahres hat Magdalena ein spannendes Projekt in der
UB Freiburg ausgestellt: „Klassismus sichtbar machen. Eine soziologische
Fotoreihe der feinen Unterschiede”. Um jede*n zum reflektieren über „die
feinen Unterschiede” verschiedener sozialer Herkunften anzuregen, hat
sie eine Fotoreihe ausgestellt, diese hatte Folgendes als zentralen
Inhalt:
„Sozialschmarotzer, Assi-TV, in der sozialen Hängematte chillen, die
wollen ja eh nicht arbeiten – Diskriminierungen aufgrund der sozialen
Herkunft oder sozialen Position erfahren täglich Millionen von Menschen
in Bereichen der Bildung, des Wohnens, der Arbeit, der Gesundheit und im
gesellschaftlichen Miteinander. Und trotzdem ist das Wissen über
Klassismus noch peripher. Um dies zu ändern, hat die Soziologiestudentin
Magdalena Bausch Häuser, Wohnzimmer und die Bewohnenden
fotografiert.”
Wer diese spannende Ausstellung nochmal besichtigen möchte hat die Möglichkeit dazu hier: Basel bis 14. Mai im Petersgraben 27. https://soziologie.philhist.unibas.ch/de/aktuelles/veranstaltungen/details/klassismus-sichtbar-machen/. Oder in der Besprechung bei Soziopolis zu lesen: https://www.soziopolis.de/die-unterschiede-in-den-couchecken.html; Basel. Liebe Grüße, Die Freiau99 :-)